Haltung


Garnelen und Krebse in der Aquakultur

Macrobrachium vollenhovenii ist eigentlich eine Speisegarnele aus der Aquakultur. Foto: Michael Wolfinger
Macrobrachium vollenhovenii ist eigentlich eine Speisegarnele aus der Aquakultur. Foto: Michael Wolfinger

Garnelen in der Aquakultur


Seit den siebziger Jahren hat sich die Aquakultur von Garnelen in den Tropen zu einem florierenden Wirtschaftszweig entwickelt. Etwa 1/3 der Fischereiprodukte, vor allem Muscheln und Krebstiere, stammt aus Zuchtanlagen.

Die asiatischen Länder, hier hauptsächlich Indonesien, China, Thailand und Indien, verfügen zusammen über etwa 1,2 Millionen Hektar Zuchtteiche für die umgangssprachlich auch als Shrimps bezeichneten Tiere. An den Küsten der westlichen Hemisphäre sind es etwa 200 000 Hektar, zwei Drittel davon allein in Ecuador. Ecuador zählt somit zu den größten Garnelenexporteuren der Welt. Dagegen scheint die Fläche in den USA mit weniger als 1 000 Hektar geradezu winzig.

Allein die weltweite Aquakultur von Garnelen hat sich seit 1990 von 680,000 Tonnen auf rund 1,3 Millionen Tonnen fast verdoppelt. Shrimps haben für die Fischwirtschaft weltweit eine große Bedeutung. Sie werden zu 2/3 wild gefangen und 1/3 in der Aquakultur gezüchtet. Konsumiert werden diese produzierten Mengen fast ausschließlich in den USA, in Japan und Europa.

Die Familie der Panaeidae stellt in den Tropen (Südamerika, Asien) die wichtigste kultivierte Garnalenart dar. Vor allem werden die Gattungen Penaeus mit einer Gesamtgröße von bis zu 35 cm im Salzwasser und die Gattung Macrobrachium, meist Macrobrachium rosenbergii mit einer Gesamtgröße von 25 cm im Süßwasser gezüchtet.

 

Garnelenproduktion


Die Produktion von Garnelen teilt sich in den einzelnen Betrieben in die Larvenerzeugung (Zucht) durch adulte Tiere und der Garnelenmast (Aufzucht) von Postlarven auf. Frisch geschlüpfte Nauplius-Larven entwickeln sich in Aufzuchtstationen bis zur juvenilen Garnele (Postlarve) Mit dem Postlarvenstadien (PL) ist die Garnele mit allen Organen gereift und werden dann normalerweise ab Postlarvenstadium Tag 10, hier sind die Tiere seit dem Schlupf dann ca. 25-30 Tage alt, zur weiteren Aufzucht in die eigentlichen Mastbecken umgesetzt bzw. weitergegeben. Gezüchtet werden Garnelen in verschiedenen Aquakultursystemen. Hier werden vier Systeme unterschieden. Man unterscheidet Garnelenzuchtanlagen in extensive, semiintensive, intensive und superintensive Systeme. Diese Unterscheidung wird vorrangig für die Garnelenzucht angewendet und unterscheiden sich in der Besatzdichte aber auch in der Art der Fütterung und in den Wasseraustauschintervallen mit dem Meer. Bei Flusskrebsen wird meist die halbintensive Aquakultur bevorzugt.

 

Extensive Haltung

Bei der extensiven Aquakultur wird nicht viel eingegriffen. Hier wird aber auch der wenigste Ertrag im Jahr erzielt. Es werden lediglich Becken oder Teiche zu Verfügung gestellt. Die Besatzdichte wird sehr gering gehalten. Es werden im Schnitt 5 Garnelen pro Quadratmeter Teichfläche zum Züchten gehalten und nur natürliche Nahrung zur Fütterung benutzt. Zugefüttert wird nur bei Bedarf. Es findet ein natürlicher und von den Gezeiten abhängiger Wasseraustausch statt, der nur in seltenen Fällen von Pumpen unterstützt wird. Für die Zucht werden Larven aus Wildfängen verwendet. Ertrag pro Jahr 0,5-1,6 t/ha

 

Semi (Halb) intensive

Haltung In den semi-intensiven Systemen finden sind ebenfalls in Teichen oder Becken statt. Besatzdichten von 3-10 Tieren/m2 sind hier üblich. Die natürliche pflanzliche Fütterung wird dabei durch Fertigfuttermischungen ergänzt. Der Wasseraustausch erfolgt durch Pumpen und das Wasser wird zusätzlich mit Sauerstoff belüftet. Der begrenzte Faktor ist hier die Kapazität des Aufzuchtbeckens, mit einer Besatzdichte von 20-50 PL/m2. Für die Aufzucht werden Postlarven von Wildfängen oder der eigenen Zucht verwendet. Ertrag pro Jahr 2-6 t/ha

 

Intensive Haltung

Bei der Intensiven Haltung werden spezielle Tanks gebaut und es wird für Belüftung gesorgt, die Wasserqualität wird über ein spezielles Kreislaufsystem und über Wasserpumpanlagen kontrolliert, die Garnelen künstlich mit speziellen Alleinfuttermischungen gefüttert. Die intensiven Anlagen haben mit 10-50 adulten Tieren pro m2 und 150-200 PL/m2 die höchste Besatzdichte. Für die Aufzucht werden Larven aus eigener Zucht verwendet. Hier werden die höchsten Erträge erzielt. Allerdings bestehen in diesen intensiven Zuchtanlagen häufig Bestandsprobleme durch Krankheiten. Ertrag pro Jahr 7-15 t/ha.

 

Super intensive Haltung

Auch in der superintensiven Haltung wird mit einer hohen Besatzdichte von 150-200 Postlarven/m2 zur Aufzucht und mit etwa 30-50 adulten Garnelen/m² gezüchtet. Es handelt sich auch hier um ein geschlossenes Kreislaufsystem mit hohem Technisierungsgrad. Das Wasser wird in der Anlage ständig komplett erneuert und ist kontrollierbar in Temperatur und Sauerstoffgehalt. Dadurch können nahezu alle Arten von Garnelen produziert werden. Das System ist aber sehr teuer und rentiert sich nur bei intensiver Nutzung, für die nicht jede Garnelenart geeignet ist.

Süßwasserkrebse in der Aquakultur


Die Süßwasser-Krebszucht erfreut sich weltweit wachsender Popularität. Momentan sind die größten Produktionssysteme China und die USA und die am meist gezüchtete Rasse ist der rote Sumpfkrebs (redswamp crayfish), der auch oft als “Flusskrebs” oder Procambarus clarkii bezeichnet wird. Dieser ist in den USA heimisch und wird mittlerweile fast überall in der Welt gezüchtet. Seine Zucht geschieht in riesigen Halbintensiven-Kulturanlagen (das bedeutet eine geringere Bestandsdichte und ein geringeres Eingreifen durch den Menschen).

 

Die halb-intensive Aquakultur von Süßwasser Flusskrebsen wird seit mindestens 30 Jahren praktiziert. In Europa werden die einheimischen Süßwasser-Flusskrebse wie beispielsweise der Edelkrebs (Astacus astacus) und der importierte Signalkrebs (Pacifasticus leniusculus) in halb-intensiven Systemen gezüchtet, meist um die Population in den natürlichen Wasserstraßen, die durch die Krebspest oder Umwelteinflüsse fast ausgerottet wurde, wieder zu erhöhen.

 

Rote Flusskrebse (Redclaws) werden momentan in Australien, China, großen Teilen Südamerikas, Israel und anderen Ländern gezüchtet. Die derzeitige Produktion pro Jahr in China wird auf ungefähr 1000 Tonnen geschätzt.

 

Ein Anwachsen der Redclaw-Aufzucht in den anderen Teilen Asiens war bislang langsam. Eventuell liegt dies an Verwechslung mit dem roten Sumpfkrebs der in vielen Ländern als wahre Pest angesehen wird, da er schnell wächst und eine riesige Anzahl an Tunneln gräbt und so zu Schäden an Reisfeldern geführt hat. Der rote Flusskrebs gräbt keine Tunnel.

 

Normalerweise werden brütende Weibchen (weibliche Tiere, die Eier unter ihrem Schwanz tragen) im Spätsommer aus Teichen entfernt und in Innenbecken gesetzt. Die Eier werden vom Weibchen entfernt und in die Brutanlage gesetzt. Die Jungtiere schlüpfen im Frühsommer aus den Eiern und werden dann in kleine, seichte Außenteiche oder Außenbecken umgelagert. Die meisten Jungtiere werden dann zur Aufstockung der Population im Spätsommer in natürliche Seen oder Wasserstraßen verbracht, wobei manche den ganzen Winter in der Aufzuchtanlage bleiben, um sie dann als ältere Jungtiere im nächsten Sommer zu verkaufen. Selten werden Süswasserkrebse in Gefangenschaft zum Verzehr aufgezogen – da dies viele Jahre dauern würde.

 

Es gibt einige Rassen australischer Süßwasser-Flusskrebse die ein großes Potenzial zur Aufzucht in einer Aquakultur zeigen. Zu den Rassen, die am hoffnungsvollsten angesehen werden, gehören der Flusshummer oder auch Marron genannt (Cherax tenuimanus), der Yabby (Cherax destructor) und der rote Flusskrebs (Cherax quadricarinatus). Das Potential dieser Rassen wurde weitläufig publik gemacht und folglich wurden sie in viele Länder exportiert um dort eine semi-intensive Aquakultur zu beginnen (klicken Sie hier um eine neue Übersicht über die australische Aquakultur-Rassen und Branchen von Süßwasser-Flusskrebsen zu erhalten, die Max Wingfield zusammengestellt hat). Es ist schade, dass die Einführung dieser Rassen immer mit großem Werbeaufwand gestaltet wurde, wobei deren Befürworter oft unrealistische und unbewiesene Versprechen über ihre Produktion und ihren Verkauf gemacht haben. In manchen Fällen hat dies zu einem Konjunktureinbruch (Boom-Bust-Cycle) bei der Entwicklung dieser Branche geführt, so z.B. beim Roten Flusskrebs in Ecuador. Trotzdem sind diese Rassen mit Sicherheit herausragende Kandidaten für eine halb-intensive Aquakultur und es gibt kaum einen Zweifel daran, dass es in Zukunft eine beträchtliche globale Industrie der halb-intensiven Aquakultur des roten Flusskrebses geben wird.


Garnelenzuchtbecken mit Dauerbelüfter. Foto: Wikipedia
Garnelenzuchtbecken mit Dauerbelüfter. Foto: Wikipedia
Garnelenfarm in Südkorea. Foto: Wikipedia
Garnelenfarm in Südkorea. Foto: Wikipedia



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