Auf die Ernährung kommt es an


Caridina cf. cantonensis „Tiger“ bei der Futteraufnahme eines Garnelensticks. Foto: Heiko Blessin, JBL
Caridina cf. cantonensis „Tiger“ bei der Futteraufnahme eines Garnelensticks. Foto: Heiko Blessin, JBL

Futter ist für eine erfolgreiche Garnelen und Krebshaltung von großer Bedeutung. Eine der wichtigsten Entscheidungen die wir daher bei der Haltung in der Aquaristik treffen müssen ist wie wir unsere Tiere ernähren, da dies einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere hat. Um dies voraussetzen und verstehen zu können müssen wir als erstes die Natur der Tiere betrachten, um zu verstehen welches ihre Ernährungsbedürf- nisse  sind  und  wie  diese  Artgerecht  erfüllt

Red Cherry-Garnele, Neocaridina heteropoda „red“, bei der Nahrungsauf- nahme. Foto: Heiko Blessin
Red Cherry-Garnele, Neocaridina heteropoda „red“, bei der Nahrungsauf- nahme. Foto: Heiko Blessin

werden können. Garnelen und Fluss-krebse gehören zu den Allesfressern. Sie weisen einen Verdauungsapparat auf der Proteine optimal assimiliert und verwertet und die wichtig für eine Eiausbildung sind. Diese Proteine kommen in der Natur in Form von Bakterien und Mikroorganismen auf Laub oder anderen abgestorbenen Pflanzen und auch Wurzeln vor. Überwiegend durchsuchen Garnelen jedoch den Bodengrund nach Fressbarem, wobei sie jegliche organische Nahrung wie Mikroorganismen, beispielsweise Einzeller, Bakterien, aber auch Algen und zerfallenes Laub aufnehmen. Oft gehören auch von Bäumen fallende Blätter  und reife  Früchte genauso zum Speiseplan wie im Wasser wachsende Pflanzen, welche sich vor allem Flusskrebse zu Gemüte führen. Kleine Krebse wie Cyclops, tote Fische oder andere im wasserlebende verstorbenen Tiere liefern Fette sowie Ballaststoffe und andere im Verdauungsapparat der “Beute” enthaltene Nährstoffe. Als Allesfresser nehmen Garnelen dementsprechend so ziemlich jedes für die Aquaristik gebräuchliche Futter an. Nicht alles tut den Garnelen aber gut, im schlimmsten Fall führt die falsche Ernährung sogar zum Tod.

Fächergarnelen sind Filtrierer, die überwiegend feinste Futterpartikel aus dem Wasser filtrieren, was auch bei ihrer Ernährung beachtet werden muss, da die Tiere sonst verhungern.
Fächergarnelen sind Filtrierer, die überwiegend feinste Futterpartikel aus dem Wasser filtrieren, was auch bei ihrer Ernährung beachtet werden muss, da die Tiere sonst verhungern.

Erhalten Garnelen zu wenig oder unzureichendes Fut- ter, so schrumpfen sie nach der nächsten Häutung. Die Augen bleiben jedoch in ihrer vollen Größe und schrumpfen nicht mit. Aufgrund dieses Phänomens stellt das Verhältnis zwischen der Größe der Augen und der Größe der Krebstiere ein gutes Maß für den Grad der Ernährung dar. Da es in ihrem begrenzten Lebensraum, vor allem im Aquarium, jedoch schnell zu Mangelerscheinungen kommen kann, müssen die Tiere ausgewogen und genügend ernährt werden. Fehlen in der Nahrung dauerhaft bestimmte Stoffe wie zum Beispiel Mineralstoffe oder Vitamine, ist die Fähigkeit des Körpers zur Immunabwehr herabgesetzt. Es kann zu Mangelerscheinungen oder durch falsche Ernährung der Tiere mit zu viel proteinhaltigem Futter zu Häutungsproblemen kommen, was nicht selten zum Tod oder auch zu Missbildungen an Scheren, Fühlern oder Schreitbeinen der Tiere führt.

 

Es gibt viele Möglichkeiten, die dabei helfen können, das gesamte Abwehrsystem aufrecht zuhalten und Mangelerscheinungen zu verhindern. Neben einer guten Wasserqualität ist vor allem eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung unerlässlich. Der Zufuhr von Vitamin C und D3 kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

 

Wichtige Nahrungsbestandteile, Vitamine un Proteine, einschließlich der Angaben, für welche Funktionen sie verantwortlich sind.

Protein: Verantwortlich für die Bildung von Muskeln, Panzer, Blut, Gewebe, Wachstum und die Bildung von Enzymen. Rohfett: Dient zur Energiegewinnung.

Rohfaser: Ist für die Regulierung des Futters im Dickdarm verantwortlich und sorgt für eine gute Verdauung.

Rohasche: Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen.

Astaxanthin: Ist ein natürlicher Farbstoff (Carotinoid), der für die Rotfärbung von Krebstieren verantwortlich ist und industriell aus der Alge Haematococcus pluvialis gewonnen wird. Besonders interessant ist auch die Tatsache, dass Astaxanthin eine vitaminartige Wirkung hat und sich dadurch positiv auf die Fruchtbarkeit und die Immunabwehr auswirkt. Vitamin A: Verantwortlich für die Förderung des Wachstums und der Fortpflanzungsbereitschaft. Das Immunsystem und die Infektionsabwehr werden gestärkt.

Vitamin C: Stärkung des Immunsystems. Förderung der Bildung und Stärkung des Panzers bei Krustentieren.

Vitamin D3: Vitamin D3 steigert die Resorption von Calcium und Phosphat aus dem Darm, indem es auf die Bildung eines calciumbindenden Transporteiweißes Einfluss nimmt. Sorgt für eine optimale Versorgung und Bildung des neuen Panzers, was Häutungsproblemen vorbeugt.

Vitamin E: Antioxidantie, führt bei Mangelerscheinungen zu Störungen in der Muskulatur und im Nervensystem.

Garnelen akzeptieren nahezu jedes Futter welches der Fachhandel bietet. Mittlerweile werden von verschiedenen Futtermitteher- stellern speziell für Garnelen und Krebse Futter- sorten angeboten, welche auf die einzelnen Bedürfnisse der Tiere abgestimmt sind. Diese

Die AT Crusta-VITAL-Reihe bietet für jede Art eine ausgewogene Futter- und Mineralienzusammensetzung.
Die AT Crusta-VITAL-Reihe bietet für jede Art eine ausgewogene Futter- und Mineralienzusammensetzung.

Sticks oder – je nach Hersteller – auch Granulate, wurden speziell für Garnelen oder Krebse entwi-ckelt. Ein hoher Grünkostanteil mit Spirulina Algen, Mineralstoffen und Proteinträgern aus Garnelen und Fischen entspricht den Nahrungsansprüchen der Garnelen und Krebse. Durch ihre spezielle Zusammensetzung beugen sie Häutungs-problemen vor, ermöglichen das Abwerfen des alten Panzers, fördern die Bildung eines gesunden und eine schnelle Aushärtung des neuen Panzers. Ein weiterer Vorteil ist, im Gegensatz zu Futtertabletten, dass sie 24 Stunden im Wasser stabil sind und dadurch eventuell liegengebliebene Granulate oder Sticks die Wasserqualität nicht unnötig belasten. Sie zeichnen sich zudem durch einen geringen Phosphatgehalt aus. Zur  Abwechslung im  Fut-

Vier Wochen alte Macrobrachium kulsiense, Schneeflöckchengarnele, beim Verzehr einer gefrosteten Artemia.
Vier Wochen alte Macrobrachium kulsiense, Schneeflöckchengarnele, beim Verzehr einer gefrosteten Artemia.

terplan gehören auch Lebend- und Frostfuttersorten wie Mysis, Artemia, Mückenlarven, Was- serasseln und an- dere, welche eine nicht zu unterschät- zende Rolle bei der Ernährung unserer wirbellosen Tiere spielen. Diese enthalten Ecdyson, ein Hormon, das für die Häutung zuständig ist und das Garnelen und Krebse nicht selbst produzieren können. Daher muss dieses oder seine Vorläufersubstanz Cholesterol über die Nahrung aufgenommen werden.

 

Als Futter-Mückenlarven eignen sich am besten Rote Mückenlarven, diese sinken im Gegensatz zu Schwarzen oder Weißen zu Boden und werden von den Garnelen und Krebsen restlos erwischt. Schwarze und Weiße Mückenlarven haben den Nachteil, dass diese im Wasser schwimmen und somit nicht restlos gefressen werden. Weiße Mückenlarven sind zudem Räuber, die Garnelenlarven gefährlich werden. Beim Lebendfutter sollte man darauf achten, dass dieses stets frisch ist sowie nicht aus belasteten Gewässern stammt. Jedes warmblütige Fleisch wie Rinder- oder Putenherz ist für die Ernährung von Krebstieren gänzlich

Bei zu viel fett- oder eiweißhaltigem Futter kann es auch bei Garnelen zu einer Verfettung kommen.
Bei zu viel fett- oder eiweißhaltigem Futter kann es auch bei Garnelen zu einer Verfettung kommen.

ungeeignet. Das darin enthaltene Eiweiß wird im Darm nicht vollständig abgebaut, sodass ein großer Teil mit dem Kot wieder ausgeschieden wird. Das belastet das Wasser und den Filter zusätzlich und das unverdaute Eiweiß ist Nahrung für Flagellaten und Bakterien, die sich im Darm der Garnelen ungehemmt vermehren. Zudem darf Lebend- und Frostfutter nur in Maßen, nicht in Massen verfüttert werden da zu viel fett- und eiweißhaltige Nahrung nur fett und krank machen - Ja auch Garnelen können eine Art "Fettleber" bekommen. Zu viel fett- und eiweißhaltige Nahrung   führt zu einer Verfettung bei Garnelen und Krebsen. Zahlreiche untersuchungen zeigt bei verstorbenen garnelen Fettbläschen im Gewebe und den Organen. Das Fett  lagert sich im Gewebe und den Organen ab und führt schleichend zum Tod oder verursacht Häutungsprobleme.

 

Neben Äpfeln, Birnen und Erdbeeren mögen die Tiere ganz besonders überbrühtes Gemüse wie gekochte Erbsen, Karotten, Salatblätter, Rosenkohl oder Gurkenscheiben. Spinatblätter und Möhrenscheiben, kurz in der Mikrowelle gegart, sind Leckerbissen die selbst scheue Aquarienbewohner aus ihren Verstecken locken. Auch Grünfutter wie Löwenzahn eignet sich ebenso wie kleine Zweige mit frischen Blättern von Weiden oder Erlen. Auch Zucchini werden von Garnelen sehr gerne gefressen. Man solle allerdings darauf achten, dass Obst, Gemüse und pflanzliche Kost nicht aus belastetem Anbau stammen und vor dem verfüttern gründlich gewaschen oder geschält werden, da alle Wirbellose extrem empfindlich auf Pestizide, Herbizide und Fungizide jeglicher Art reagieren. Das Nichtbeachten dieser Hinweise kann unter Umständen verheerende Folgen nach sich ziehen.

 

Wie bereits erwähnt, schrumpfen Garnelen wenn sie zu wenig Nahrung bekommen. Es konnte bei der Garnelenhaltung im Aquarium bereits beobachtet werden, dass sich Garnelen bei Nahrungsmangel auch über ihre eigenen, noch lebenden Artgenossen hermachen, siehe Kannibalismus, sobald diese sich häuten oder durch eine Krankheit geschwächt sind. Nach der Häutung sind die Tiere sehr schwach und bieten ihren Artgenossen eine geeignete Angriffsfläche. Diese Reaktion zeigt, dass sich Garnelen in der Natur sehr gut an mögliche Nahrungsknappheiten anpassen können. Sie sehen also eine ausgewogene, vitamin- und proteinreiche Ernährung ist auch für die Gesunderhaltung und erfolgreiche Pflege von Garnelen und Krebsen unumgänglich und spielt bei der Krankheitsvorbeugung eine ebenso wichtige Rolle wie die Wasserqualität.




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Kommentare: 1
  • #1

    michiF (Donnerstag, 12 Februar 2015 09:51)

    hallöle
    ich hab grad das fächergarnelenfutter am testen.die konsistenz is ganz supi und es scheint zu shcmecken.wenn mans oben aufs wasser streut verteilt es sich auch sehr gleichmässig mit der strömung zu den garnelen ,die ja bei mir unterm wasserfall abhängen(ihrem lieblingsplatz).gut find ich das es nich sofort komplett nach unten sackt.so kann man immer paar brisen auftun und si kommen gut dosiert in den fächern an. ist ja auch wichtig das nich soviel futter nur irgendwo versackt und das wasser belastet.
    hab zwar noch schnekcen für die restvertilgung drin und amanos aber bei fächers muss man ja eh mehr partikel im wasser am kreiseln haben.
    michi